Cool, authentisch, anrührend: „Von komischen Vögeln“

Es geht in der Geschichte von Eike Weinreich „Von komischen Vögeln“ vor allem um Jockel. Jockel ist ein vom Leben enttäuschter, gescheiterter Musiker, der seinen Frust an allen, die ihm nahestehen, und auch an weiter entfernten, auslässt. Er hasst sie alle, allen voran seinen Vater. Von seiner Tochter und seiner Frau hat er sich längst entfremdet. (likeits – Filmfestspiele).

Als er aus einer Laune heraus einen Überfall auf einen iranischen Pizzabäcker macht, wird er geschnappt und zu Sozialstunden in einer Behindertenwerkstatt verurteilt. Dem Leiter dort, der das Image der Werkstatt etwas aufmöbeln will, kommt er gerade recht, er gibt ihm die Aufgabe, einen Chor aufzubauen.

Anfangs fängt er rein gar nichts mit den Menschen dort an. Vor körperlichem Kontakt graust es ihm geradezu. Doch langsam aber sicher taut etwas in ihm auf, und warum auch immer, vielleicht durch den unverstellten Charme der Behinderten findet er Zugang zu ihnen. Die Musik, die er für das geplante Konzert auswählt, ist die Winterreise von Schubert. Als Zuschauer kommt sie einem in ihrer düsteren, schmerzhaften Stimmung sehr passend und berührend vor.

Eike Weinreich weiß, wovon er erzählt; in eben dieser Behindertenwerkstatt hat er vor 14 Jahren als Zivi gearbeitet und, wie er im Publikumsgespräch zum Besten gibt, die Stationen, die Jockel durchläuft, von Abwehr, Ekel („ist das ansteckend“?), bis zur totalen Begeisterung für den Job alle selber mitgemacht. Und schon damals vor 14 Jahren hat er gewusst, dass er irgendwann einen Film Mit (nicht Über) diesen Menschen machen will.

Die tragisch-komische Geschichte, die er sich ausgedacht hat, kommt einem wie aus der Realität geschnitten vor. Wir verstehen genau, was er sagen will, auch wenn es subtil untergebracht ist: Welches Verhältnis haben wir eigentlich in unserer durchoptimierten Gesellschaft zu Menschen, die offensichtlich nicht ganz „perfekt“ sind. Wir bemühen uns verzweifelt um „political correctness“, also darum ja keine „falschen“ Bezeichnungen wie „Behinderte“ zu gebrauchen, ansonsten fehlt uns aber alles um eine Wellenlänge zu den Protagonisten im Film herzustellen, vor allem die sogenannte Herzensbildung.

Und doch sind genau sie es, die es fertiggebracht haben – Jockel wäre für jeden Psychotherapeuten wohl eine sehr harte Nuss gewesen – einen Menschenfeind allein durch ungekünstelte Direktheit, die manchmal wirklich sehr direkt aber immer liebenswert ist, in einen Menschen zu verwandeln, der ebenso wie die Protagonisten Lebensfreude ausstrahlt.

Läuft am So nochmal um 13:55