Cúl na Mara bringen Stadtbierhalle zum Sieden

Cúl na Mara bringen Stadtbierhalle zum Sieden

Volle Halle beim Auftakt zu den Rondellkonzerten – Endlich bekommt Roland Roth seinen eigenen Song. Text und Foto: Hans-Bernd Sick.

Schwüle Hitze herrschte schon vor dem Konzert in der Alten Stadtbierhalle, und trotzdem legten die FolkRocker von Cúl na Mara los, als gelte es Eis zu tauen. Aber es gab nichts zu tauen, denn mit dem ersten Akkord sprang der Funke von der Bühne über aufs Publikum, das schon gleich beim Auftaktsong „I want to have“ aus der ersten, der preisgekrönten CD „Current Tales“ des Quartetts, freudig mitklatschte. Für den typischen Celtic Sound sorgte Eckard Lehmann, der mit seinen Dudelsäcken das Publikum ins schottische Highland, und mit seinen vielen Flöten auf die grüne Insel Irland entführte. Sein Gegenüber bei den Soli war Martin J. Waibel an E-Gitarre, Bouzouki und Mandoline, der mit etlichen Soli glänzte, seine Instrumente aber auch souverän als Rhythmusinstrumente einzusetzen wusste. Dass diese musikalische Reise flott voranging, dafür sorgte Sylvia Häufle am Schlagzeug. Mit viel Power und trotzdem viel Gefühl gab sie den Songs den richtigen Speed, unterstützt durch den treibenden Bass von Sonja Bumiller. Unglaublich, dass Sylvia Häufle bei einigen Songs auch noch den Leadgesang beisteuerte, wie beim neuen, noch unveröffentlichten power-vollem Song „Friday Night“ – Hut ab! Singen können sie alle Viere von Cúl na Mara, besonders schön wird es, wenn der mehrstimmige Gesang so deutlich im Vordergrund steht wie bei „Tam Lin“. Dass es auch kratzbürstig geht, bewies Eckard beim Song „In the pub“. Hier wird mit einer Stimme, die an Tom Waits erinnert, beschrieben, wie es in einem irischen Pub zugeht, in dem der Banker im Anzug mit Krawatte auf den Handwerker in seiner Arbeitskluft trifft, und auch die Gäste aus Oberschwaben gleich willkommen geheißen werden. „In the pub“ ist einer der zahlreichen Song, die an dem Abend gespielt wurden und auf der neuen CD „The world is colourful“ zu hören sein werden.

Die neue CD soll endlich im Herbst erscheinen, und wird ein sehr politisches Album. Den Titelsong gab es beim Rondellkonzert natürlich auch zu hören; die Message ist eigentlich recht einfach: die Welt ist nicht schwarz-weiß, sondern bunt und in vielerlei Hinsicht ausgesprochen vielfältig. Ein Lied mit eingängiger Melodie, und einem Refrain, der zum Mitsingen einlädt. Vielleicht wieder ein preisgekrönter Song von Cúl na Mara? Auf alle Fälle, so erzählte Gitarrist und Bandleader Martin J. Waibel, wurde dieser Song schon vor seiner Veröffentlichung in mehrere Sprachen übersetzt. Vom neuen Album gab es noch weitere Songs zu hören: bei „When the last eagles flies“ geht um den Umweltschutz, der Song „Clearance“ erzählt von der Vertreibung der Landbevölkerung aus den schottischen Highlands Ende des 18. Jahrhunderts aus der Perspektive eines Vertriebenen; „I`m liying in a grave, in a foreign land. Nobody knows Where I`m coming from“. Neben diesen düsteren Texten über stimmungsvollen Melodien, gibt es auch Nettes. So bekommt Roland „Role“ Roth, der oberschwäbische Wetterguru und Musikliebhaber, endlich seinen eigenen Song mit einem Refrain, der zum Mitsingen einlädt. Man darf also doch sehr gespannt sein auf das neue Album. Der laute und anhaltende Applaus des Publikums belegte, dass die Songs und die Musik bestens ankamen.

Als dann nach über zweieinhalb Stunden der letzte Song des regulären Programms zu Ende war, wurde lautstark nach einer Zugabe verlangt. Die begann fulminant mit dem Dudelsack-Stück „Scotland the brave – je jacobites“, den Eckard Lehmann bei einem Marsch durch die Stadtbierhalle intonierte und auch noch andere Melodien hinein improvisierte; so erklang unter anderem zwischendurch der Refrain von „Muss i denn zum Städele hinaus“. Nahtlos ging es über in eine neue Version eines bekannten Liedes, allerdings mit angepasstem Text: „What shall we do with a drunken piper“? „Lanningans Ball“ und „die on“ als Zugaben drei und vier beendeten einen wahrhaft fulminanten Auftakt der Rondellkonzerte 2017.

Beim nächsten Rondellkonzert am 06. August, das wegen einer Parallelveranstaltung auf dem Marktplatz auch wieder in der Alten Stadtbierhalle stattfinden wird, werden ab 19 Uhr „New Century“ mit Coverversionen von Hits aus diesem Jahrhundert ihrem Publikum einheizen.