Ein Gähnen nachmittags um vier – Tipp: “Nadryw” und “Transit”

Normalerweise macht es mehr Spaß über Filme zu schreiben, für die man sich begeistert. Trotzdem, oder vielleicht gerade drum, hier ein Resumée zu der romantischen Weihnachtskomödie „Ein Lächeln nachts um vier“ vom gestrigen Nachmittag. Von likeits.com

Im Mittelpunkt des Plots steht Jule, die soeben ihr Jurastudium erfolgreich hinter sich gebracht hat, und nun, postwendend, an ihrem Lebensplan arbeitet. Dazu gehört z.B., für ein Entwicklungshilfe Unternehmen im Ausland zu arbeiten.

Da kommt ihr Max dazwischen, dem sie zum ersten Mal begegnet, als er, in der Rolle des Weihnachtsmanns, den Kindern im Kinderheim einen Sack voller Geschenke bringt. Welch nobler Held, und er, der Held, führt seiner neuen Liebe in derselben Nacht auch prompt die armen Kleinen vor, wie sie, mit dem Kuschelaffen im Arm, in ihren Stockbetten liegen. „So klein, und schon so allein“ kommt es von Jule’s Lippen und man ist schon fast dabei, das Taschentuch herauszusuchen.

Die Handlungsstränge ziehen sich fort, indem Jule „ihren Plan verfolgt“ und ein Jahr nach Jordanien verschwindet, während Max seinen Job als Soap-Darsteller verliert, und, vom Vater finanziert, in seiner luxuriösen Wohnung langsam Richtung „asozial“ abrutscht.
Als Jule ihn nach ihrem erfolgreichen Auslandsjahr dort besucht, ist sie dann auch ziemlich schockiert. Einen ‚Looser’ wollte sie in ihren Plan nicht unbedingt aufnehmen.

Also schwenkt sie um auf Daniel, einen grundsoliden, handwerklich talentierten und überhaupt idealen Mann, der auch für die Großeltern, insbesondere Opa „der Beste“ ist.

Und so geht es fort. Sich in noch mehr Details zu ergehen, würde sicher nicht weiterhelfen den Film zu ergründen. Das Problem des Filmes ist eher, dass es einfach und leider nicht viel zu ergründen gibt.

Jule ist Jule, eine ziemlich gewöhnliche, nicht ganz unattraktive, moderne Frau, die ihr Leben durch eine Dreiecksbeziehung etwas verkompliziert. Sie hat darüberhinaus, und die beiden nehmen eine tragende Rolle in der Handlung ein, zwei wundervolle Großeltern, die in einem wundervoll schmucken hanseatischen Landhaus leben mit wundervoller, weihnachtlicher Festbeleuchtung, Rentiere included.
Okay, Jule’s Plan hätte auch geradliniger verlaufen können, indem sie Max als ihre wahre Liebe gleich erkannt hätte und die Glocken alsbald geläutet hätten – aber einen großen Unterschied haben die, für einen „vielschichtigen“ Plot nötigen Verwicklungen, auch nicht wirklich gemacht.

So oder so wäre ein ziemlich verkitschter Brei und ein vorhersehbares Finish entstanden. Vielleicht hätte eine fulminante Hauptdarstellerin das Ganze noch drehen können, aber wirklich daran glauben kann man nicht.

Als versöhnlicher Schluss muss gesagt sein, dass die beiden Filme vom Vormittag aus der neu geschaffenen Kategorie „mittellange Spielfilme“ „Nadryw“ und „Transit“ das perfekte Gegenstück von oben beschriebenem waren.

Beide haben geglänzt durch überragende Schauspieler und waren unglaublich erfrischend in ihrer nigelnagelneuen Perspektive auf bekannte Themen. Also, Filme von unverbrauchten, jungen Filmhochschulabsolventen, die hoffentlich auch weiter ihre unabhängige Linie fahren werden und können. Leider haben solche Filme kaum je Aussicht auf einen beliebten Fernsehfilmplatz im ZDF oder ARD am Freitagabend um 20.15, aber das ist wohl nichts Neues.

Der Block läuft heute Abend um 22.40 noch einmal, und wer noch Karten dafür bekommt, für den ist der Tag jedenfalls gut gelaufen.