Ein Wetterjahr auf Berg- und Talfahrt

Bei überdurchschnittlicher Sonnenscheindauer erheblich zu nass und deutlich zu warm. Das Jahr 2017 im Rückblick. Statistik der Wetterwarte Süd von Roland Roth.

Zwar ist unsere Witterung von einer fortwährenden Wechselhaftigkeit geprägt, doch derart viel Unbeständigkeit wie 2017 gibt es auch nicht alle Jahre. Abgesehen vom dauerkalten Januar, einem anhaltend schön warmen März und dem goldenen Oktober präsentierte sich das Wetter beständig unbeständig, mit einem stetigen Auf und Ab der Temperaturen.

Der trockenste Winter seit mehr als 50 Jahren, das vorzeitige Frühlingserwachen und eisige Spätfröste mit fatalen Folgen für die weit fortgeschrittene Natur, der Schaukelsommer mit Hitzewellen und Heizperioden, ein Herbst der Kontraste und ein launischer Dezember mit wieder einmal grünen Weihnachten und dem wärmsten Silvester seit Menschengedenken, auch 2017 war ein auffälliges Wetterjahr.

Tiefste Temperatur am 07.01.: – 17,2°C (- 12,9°C)
Höchste Temperatur am 01.08.: + 32,3°C (+ 33,0°C)
Durchschnittliche Jahrestemperatur: + 9,2°C (+ 9,3°C)
Jahressumme des Niederschlags: 1067,3 mm (1113,5 mm)
Gesamtsonnenscheindauer: 1737,8 Stunden (1636,4 Stunden)

(Die Messwerte beziehen sich auf die Wetterzentrale in Bad Schussenried, die Zahlen in Klammern geben die Vorjahreswerte an!)

In Erinnerung bleiben wird wohl vor allem das Frostereignis im Frühjahr. Die Kombination aus ungewöhnlich früher Blüte und eisigen Spätfrösten hatte besonders in den Sonderkulturen schlimme Folgen. Vergleichbare, wenn auch nicht ganz so verheerende Spätfrostschäden wurden 1991, 1981 und 1953 verzeichnet. Dieses von der Landesregierung als Naturkatastrophe und Jahrhundertereignis eingestufte Wetterextrem verursachte Schäden in dreistelliger Millionenhöhe.

Vor allem in der zweiten Jahreshälfte dominierten Tiefdruckgebiete unser Wettergeschehen. Kein Wunder also, dass 2017 als ausgesprochen regenreiches Jahr in die Statistiken der Wetterkundler eingeht. An der Wetterwarte Bad Schussenried landet es in der fünfzigjährigen Messreihe auf Platz fünf, nach 1981, 2002, 2016 und 2001. Hier fielen insgesamt 1067,3 Liter Niederschlag auf den Quadratmeter und damit 150 Liter mehr als im Durchschnitt der Jahre 1981 bis 2010. Während an der Donau und im nördlichen Oberschwaben meist nur 750 bis 850 Liter/m² gemessen wurden, waren es im Allgäu, im Stau der Alpen, mancherorts mehr als 1500 Liter/m². So notierten Timo Riedel in Isny 1595,2 Liter/m² und Alfons Ohlinger auf der Bergerhöhe bei Wangen 1703,6 Liter/m². Von der knapp 1000 Meter hoch gelegenen Steinbergalm vermeldete Günter Bischoff gar 1950,5 Liter/m². Hohe Regenmengen gab es im April und bedingt durch kräftige Gewittergüsse im August. Deutlich zu trocken war es hingegen im Februar und im Mai. Gebietsweise fielen allein zehn Prozent des Jahresniederschlages am letzten meteorologischen Sommertag, am 31. August.

Im langjährigen Vergleich war es im vergangenen Jahr mit einem Durchschnittswert von 9,2 Grad Celsius zwar beinahe ein Grad zu warm, doch mit den beiden Rekordjahren 2015 (9,8°C) und 2014 (10,0°C) kann es nicht mithalten, was maßgeblich an dem klirrend kalten Januar lag, in dem die Thermometer an elf Tagen Werte unter minus zehn Grad anzeigten. An der Wetterzentrale in Bad Schussenried sanken die Temperaturen an 106 Tagen unter den Gefrierpunkt (Mittelwert: 114,1 Tage), wobei an 24 Tagen (32,2 Tage) Dauerfrost registriert wurde. An 56 Tagen (Mittelwert: 44,9 Tage) wurde die Sommermarke von 25 Grad erreicht und an 18 Tagen (Mittelwert: 8,6 Tage) kletterte das Quecksilber über die Hitzemarke von 30 Grad.

Noch mehr solcher heißer Tage verbuchte man nur in den Jahren 2003, 2015 und 1983. Auffallend hoch auch die Zahl der Gewittertage: 41, und damit dreizehn mehr als in einem durchschnittlichen Jahr. Die höchste Temperatur wurde mit 35,1°C am 1. August in Ravensburg und Friedrichshafen verzeichnet.

Obwohl das Wetter häufig von Tiefdruckgebieten bestimmt war, kann sich die Sonnenscheindauer durchaus sehen lassen. An den meisten Stationen lag sie 70 bis 90 Stunden über dem langjährigen Mittelwert und damit schien die Sonne statistisch gesehen etwa 15 Minuten pro Tag länger als man normalerweise erwarten darf.

Wetterkundliche Schlaglichter

• Kältester Januar seit 30 Jahren
Lange Zeit ist vom Winter wenig zu sehen, doch dann kommt er mit aller Macht und über Nacht. Arktische Kaltluft lässt die Temperaturen tief in den Frostkeller sinken. Trotz einer milderen Wetterphase zwischen dem 11. und 13. und dem durchgreifenden Tauwetter zum Monatsende hin ist es hierzulande der kälteste Januar seit 1987.

• So kalt der Januar, so lau der Februar
Auf den kältesten Januar seit 1987 folgt, wie so häufig in den letzten Jahren, ein vorfrühlingshaft milder Februar. Biskayaluft und der Föhn treiben die Temperaturen zeitweilig bis gegen die 20-Grad-Marke. Unterm Strich ist dieser Februar rund drei Grad zu warm.

• Frühe Blüte
Ein überwiegend schöner, sonnenscheinreicher und ungewöhnlich warmer März, nach 1994 der zweitwärmste, lässt die Natur im Sauseschritt aus dem Winterschlaf erwachen. Innerhalb weniger Tage grünt und blüht es an allen Ecken. Ende des Monats herrscht bei Temperaturen nahe 25 Grad bereits Frühlingsstimmung wie sonst erst im Mai.

• Eisige Spätfröste mit fatalen Folgen
So abgedroschen der Wetterspruch “Der April macht was er will” auch sein mag, so nachdrücklich hat er sich dieses Jahr in Erinnerung gebracht. Zuerst knochentrocken und frühsommerliche Temperaturen um die 25 Grad, dann eisige Spätfröste mit enormen Schäden vor allem in den Sonderkulturen, anschließend heftige Regenfälle, in leicht erhöhten Lagen jede Menge Schnee und am Monatsende wieder warme 20 Grad.

• Später Frost und frühe Hitze
Nach dem kältesten Maibeginn seit Jahrzehnten kommt ausgerechnet mit den Eisheiligen die Wende. Zum Monatsende hin rollt eine erste, kurze Hitzewelle übers Land, vielerorts mit Rekordtemperaturen für einen Mai. In Leutkirch-Heggelbach, Horgenzell, Tuttlingen und Ochsenhausen verzeichnen die Stationsbetreiber subtropische 33 Grad, in Kressbronn und Ravensburg 34 Grad.

• Wärmste Nacht seit Messbeginn
Im Juni herrscht häufig Urlaubswetter wie am Mittelmeer. Dabei liegt unsere Region des Öfteren in der wärmsten Ecke Deutschlands. In der Nacht vom 22. auf den 23. fällt das Quecksilber an den meisten der 63 Wetterstationen im Messnetz der Wetterwarte Süd nicht unter 20 Grad. Auf den Höhenrücken, im Bodenseehinterland sowie in der Innenstadt von Ravensburg kommen solche Tropennächte immer wieder mal vor, doch dass beinahe überall zwischen Alb und Alpen eine Tropennacht registriert wird, ist bislang ohne Beispiel.

• Ein gewitterreicher Schaukelsommer
Die Berg- und Talfahrt der Temperaturen bietet uns ein ausgesprochen wechselhaftes Sommerprogramm. Auf schwül-warme bis richtig heiße Tage folgen regelmäßig feucht-kühle Wetterphasen. Es vergeht kaum ein Tag, an dem sich nicht irgendwo in der Region Schauer und Gewitter entladen. Und die haben es mitunter in sich. Dieser Sommer ist zwar der niederschlagsreichste seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahre 1968, es ist allerdings keineswegs ein verregneter Sommer, denn richtige Regenperioden gibt es so gut wie gar nicht, stattdessen sorgen heftige Gewittergüsse für volle Messbecher.

• Im Zeitraffer in den Frühherbst
Wie schon den ganzen Sommer hindurch will sich auch im September keine stabile Schönwetterlage einstellen. Tiefdruckgebiete bringen öfters Regen und feucht-triste Herbststimmung. Es ist der kühlste und sonnenscheinärmste September seit langem.

• Spätsommer mitten im Herbst
Der Oktober wird dieses Jahr seinem Ruf als goldener Monat über weite Strecken hinweg gerecht. Eingerahmt von zwei feucht-kühlen Phasen zum Monatsbeginn und Monatsende überwiegt sonniges und laues Wetter. Zwischen dem 13. und dem 21. steigen die Temperaturen verbreitet über 20 Grad. Dabei erreicht das Quecksilber in Tuttlingen, Maierhöfen und Rißtissen sogar nochmals die Sommermarke von 25 Grad.

• Laue Mallorcaluft und kalte Polarluft
Das ständige Auf und Ab der Temperaturen und die ausgesprochen wechselhafte Witterung verlangen dem Kreislauf im November einiges ab. Auf laue Wetterabschnitte folgen gleich drei frühwinterliche Kaltluftvorstöße mit frostigen Temperaturen und Schnee.

• Wieder einmal grüne Weihnachten
Das unbeständige Wetter setzt sich auch im letzten Monat des Jahres fort. Wie auf einer Rennstrecke zieht ein Tief nach dem anderen über unsere Region hinweg. Sie führen mal polare Schneeluft, dann aber wieder milde Atlantikluft und zum Jahreswechsel gar laue Kanarenluft nach Süddeutschland. Mit bis zu 14 Grad (Ravensburg, Biberach) ist es das wärmste Silvester seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in der Region.