Im Zeitraffer vom Hitzesommer in den Frühherbst

Kühlster und sonnenscheinärmster September seit Jahren. Statistik der Wetterwarte Süd für September 2017. Von Roland Roth.

Tiefste Temperatur am 21.: + 3,0°C (+ 5,3°C)
Höchste Temperatur am 05.: + 22,8°C (+ 28,8°C)
Durchschnittliche Monatstemperatur: + 12,3°C (+ 16,1°C)
Monatssumme des Niederschlags: 66,7 mm (62,6 mm)
Gesamtsonnenscheindauer: 119,7 Stunden (206,6 Stunden)

(Die Messwerte beziehen sich auf die Wetterzentrale in Bad Schussenried,
die Zahlen in Klammern geben die Vorjahreswerte an!)

Wie schon den ganzen Sommer hindurch wollte sich auch im September keine stabile Schönwetterlage einstellen. Stattdessen brachten Tiefdruckgebiete immer wieder Regen und feucht-kühles Herbstwetter. Erst in der letzten Monatsdekade sorgte der sprichwörtliche Altweibersommer noch für einige schöne und tagsüber angenehm warme Tage.

Auf die schwüle Hitze mit Höchstwerten von mehr als dreißig Grad Ende August folgte pünktlich zum meteorologischen Herbstbeginn am 1. September ein Wettersturz. Drei Wochen lang hielt sich nun die Sonne häufig bedeckt und es verging kaum ein Tag ohne Regen. Am 13. und 14. fegte sogar bereits der erste Herbststurm übers Land. Dabei wurden in Hoßkirch und Erlenmoos Sturmböen von 85 km/h verzeichnet. Ab dem 21. ging es dann mit dem Wetter und den Temperaturen spürbar bergauf. Von vielen sehnlichst erwartet, von den meisten aber längst abgeschrieben, kam er doch noch: der “Altweibersommer”. Der Begriff kommt von den feinen, mit Tau benetzten Spinnfäden, die in dieser Jahreszeit Wiesen und Sträucher überziehen und im Sonnenlicht an seidig glänzendes Greisenhaar erinnern. In Nordamerika nennt man diese Zeit “Indian Summer”, in Schweden “Birgitta-Sommer” und in der Schweiz “Witwen-Sömmerli”. In manchen Jahren wird sogar nochmals die Sommermarke von 25 Grad erreicht. Dafür hat es dieses Jahr zwar nicht gereicht, doch der Herbst blieb uns bis zum Monatsende milde gestimmt, und die Temperaturen verharrten tagsüber mit Höchstwerten um die 20 Grad auf angenehmem Frühherbstniveau. Diese warme Witterung konnte die negative Temperaturbilanz der Vorwochen jedoch nicht mehr ausgleichen, sodass der September mit einer Durchschnittstemperatur von 12,3°C (30-jähriger Mittelwert: 13,1°C) erstmals seit 2010 wieder einmal zu kalt ausgefallen ist. Außerdem wurde zum ersten Mal seit sieben Jahren auch nirgendwo zwischen Alb und Alpen, Iller und Schwarzwald ein Sommertag mit 25 Grad und mehr verzeichnet.

Große Unterschiede gab es bei der Niederschlagsverteilung. Während im nordwestlichen Oberschwaben, in der Göge, an der Donau und auf der Schwäbischen Alb mit 40 bis 60 Liter/m² vielerorts zu wenig Regen fiel, meldeten Ansgar Krug aus Hoßkirch 128,2 Liter/m², Matthäus Fäßler aus Horgenzell-Ringgenweiler 141,4 Liter/m² und Dieter Blum aus Ravensburg-Schmalegg 144,2 Liter/m².

Einheitlich trist und trübe dagegen die Sonnenscheinbilanz der 63 Wetterstationen im Messnetz der Wetterwarte Süd, denn an keiner einzigen Station wurde der langjährige Mittelwert erreicht. Die meisten Wetterbeobachter verbuchten den sonnenscheinärmsten September seit 2001.
Bevor wir uns nun so ganz allmählich auf die kalte Jahreszeit mit frischen Tagen, frostigen Nächten und ersten Schneefällen einstellen müssen, dürfen wir im Oktober häufig nochmals ein paar schöne und tagsüber laue, “goldene” Tage genießen. Und die mittelfristigen Aussichten sind diesbezüglich durchaus verheißungsvoll. Allerdings werden dann auch die Nebelfelder gerade in unserer Region immer zäher.