Popp Deluxe verwandelt Rondell in einen Dancefloor

Popp Deluxe verwandelt Rondell in einen Dancefloor

Nach einer grauen und ungemütlichen Woche machte das Wetter dem Sonntag alle Ehre, denn endlich schien mal wieder die Sonne und das Rondellkonzert mit Popp Deluxe konnte auch wirklich im Rondell stattfinden. Von Hans-Bernd Sick.

Bei angenehmen Temperaturen zogen wieder viele Musikbegeisterte aus nah und fern in den Biberacher Stadtgarten, und wurden dafür mit einem tollen Abend belohnt. Schon beim Opener „Yellow Moon“ der Neville Brothers animierte Frontfrau Michi Popp das Publikum zum Mitklatschen und Mitmachen, tänzelte mit dem schnurlosen Mikro in der Hand durch die Zuschauerreihen und bezauberte mit ihrer tollen Stimme das Publikum aus allernächster Nähe. Auch bekamen bei diesem Stück gleich Keyborder Martin Giebel und Gitarrist Peter Zoufal Gelegenheit, ihre Solokünste gekonnt unter Beweis zu stellen. Mit Randy Crawfords „Street Life“ und „Ain’t No Sunshine“ von Bill Withers zeigte sich das Quintett von ihrer hochkarätigen jazzig-swingenden Seite. Es ging rockig-flott weiter; dem Applaus nach kamen die Songs „Bring Me Some Water“ –obwohl es dem Gitarristen der Sinn mehr nach einem Bier stand- und eine Version des U2-Hits „One“ beim Publikum richtig gut an.

Nachdem sich drei Musiker von der Bühne in Richtung Bar bewegten, folgten zwei absolut hörenswerte Songs vom verbliebenen Duo mit Sängerin Michi Popp und Peter Zoufal an der akustischen Gitarre. Die beiden Songs, „Under Pressure“ von David Bowie und Freddie Mercury, in einem sehr schönen Arrangement von Peter Zoufal, als auch Suzanne Vegas Megahit „Luka“, wurden von den beiden gekonnt und gefühlvoll vorgetragen und überzeugten das volle Rondell als auch die Gäste außen herum vollkommen. Danach wurde von der vollzähligen Band nochmals gekonnt richtig Stimmung gemacht mit Hits wie „You Might Need Somebody“, „Hard Rock Cafe“ und „Love The One you With“.

Bis dahin war das Publikum wohl begeistert von der Popp Deluxe Show, fühlte sich aber bis dahin allem Anschein nach auf den Sitzbänken wohler. Das änderte sich aber direkt nach der Pause. Stevie Wonders „I Wish“ lockte die ersten Tänzer, bei den weiteren Songs trauten sich dann immer mehr nach vorne auf die Tanzfläche. Bei Simply Reds „Something Got Me Started“ war es dann wieder Michi Popp, die die Besucher mit einband. Bevor die Band loslegte, verteilte sie einiges an „Schüttel Gedöns“ (andere würden das als Perkussionsinstrumente bezeichnen) im Publikum. Singend erklomm sie die Treppe hoch zum Weißen Turm, und animiert auch hoch oben auf der Brücke überm Rondell das Publikum zum Mitmachen. Das wiederholte sich bei „Neh Nan Nah Nah“, dem Hit von Vaya Con Dios, beim dem die Sangesfreudigen in den hinteren Reihen Gelegenheit bekamen, den Refrain mitzusingen. Ganz klar, das kam Bestens an, das Publikum war begeistert und machte genauso begeistert mit, und der Applaus für Michi und ihre Band war dem entsprechend.

Beim Song „What It’s Like“ durfte dann endlich der hervorragende Bassist Ralf Franz etwas mehr ins Rampenlicht rücken. Mit atemberaubender Stimme sang er den Song von Everlast, und so mancher im Publikum bedauerte, dass ihm an diesem Abend nicht bei mehr Songs die Solostimme überlassen wurde. Dagegen saß Tom Wagener den ganzen Abend weit hinten auf der Bühne hinter seinem Schlagzeug versteckt, das harte Los der Schlagzeuger, fast schon im Gebüsch, ohne dass er sich auf großer Bühne hätte ins Rampenlicht stellen können. Verdient hätte er es allemal, denn sein dichtes und präzises Spiel gab dem Auftritt den groovenden Drive.

Mit Janis Joplins „Piece Of My Heart“, einer gewaltigen Stimme von Michi Popp und einem grandiosen Gitarrensolo von Peter Zoufal ging ein weiteres grandioses Rondellkonzert zu Ende. Das Publikum, das bei unerwartet lauen Temperaturen bis zum Schluss das Rondell bestens füllte, bekam nach viel und lautem Applaus selbstverständlich noch eine Zugabe.

Am nächsten Sonntag wird es dann etwas konzertanter, wenn das österreichische Trio Fluchtachterl das Rondellpublikum mit auf eine Reise durch den reichhaltigen Fundus des Austro-Pops nimmt.

Foto: Hans-Bernd Sick