So viel April gab es seit Jahrzehnten nicht mehr

Eisige Spätfröste mit fatalen Folgen für die bereits weit fortgeschrittene Natur. Statistik der Wetterwarte Süd für April 2017. Von Roland Roth.

So abgedroschen der Wetterspruch “Der April macht was er will” auch sein mag, so nachdrücklich hat er sich dieses Jahr in Erinnerung gebracht. Zuerst knochentrocken und frühsommerliche Temperaturen um die 25 Grad, dann eisige Spätfröste, anschließend heftige Regenfälle, in leicht erhöhten Lagen jede Menge Schnee und am Monatsende wieder warme 20 Grad.

Tiefste Temperatur am 21.: – 4,8°C (- 2,4°C)
Höchste Temperatur am 09.: + 23,8°C (+ 23,4°C)
Durchschnittliche Monatstemperatur: + 7,8°C (+ 8,7°C)
Monatssumme des Niederschlags: 114,7 mm (88,9 mm)
Gesamtsonnenscheindauer: 177,2 Stunden (134,9 Stunden)

(Die Messwerte beziehen sich auf die Wetterzentrale in Bad Schussenried,
die Zahlen in Klammern geben die Vorjahreswerte an!)

Im April vollzieht sich der Übergang vom Winter- ins Sommerhalbjahr. Das hat er dieses Jahr eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Entgegen dem sonst üblichen Wetterverlauf war dabei allerdings die erste Monatshälfte mit zeitweilig schon frühsommerlichen Temperaturen markant wärmer als die von spätwinterlichen Kälterückfällen geprägte zweite Monatshälfte.

Die Kombination aus weit fortgeschrittener Natur mit einer außergewöhnlich frühen Blüte und eisigen Spätfrösten hatte besonders in den Sonderkulturen fatale Folgen. Vergleichbare, wenn auch nicht ganz so verheerende Spätfrostschäden wurden 1991, 1981 und 1953 verzeichnet. Dieses von der Landesregierung als Naturkatastrophe und Jahrhundertereignis eingestuftes Wetterextrem verursachte Schäden in dreistelliger Millionenhöhe.

Dabei hatte es lange Zeit überhaupt nicht nach Eiseskälte und Schnee ausgesehen. Die ungewöhnlich warme Witterung im März setzte sich zunächst nahtlos fort. In Ravensburg wurde am 9. (Sonntag) bei strahlendem Sonnenschein mit genau 25 Grad bereits der erste Sommertag des Jahres verbucht und in Kressbronn kletterte das Quecksilber am Tag darauf mit Unterstützung des Föhns sogar auf 25,7°C.

Doch ausgerechnet an Ostern stellte sich die Wetterlage grundlegend um. Während das Nass vielen die Frühlingsstimmung und manchen das Feiertagsgeschäft vermieste, war der Regen für die Land-, Wasser- und Forstwirtschaft nach der langen Trockenheit ein Segen. In der nun einfließenden Polarluft ging es mit den Temperaturen aber immer weiter bergab. Da es in den nachfolgenden Nächten aufklarte und somit die schützende Wolkendecke fehlte, sank das Quecksilber bei Sternenhimmel auf minus 3 bis minus 8 Grad, in einigen Kältelöchern auf der Schwäbischen Alb sogar auf zweistellige Minusgrade, so in der Doline Degerfeld (minus 11,0°C) und in Sonnenbühl (minus 16,0°C). Schier unglaublich, wenn man bedenkt, dass die Sonne bereits so hoch stand wie Mitte August, also während der Hundstage, der mit Höchstwerten teils weit über 30 Grad heißesten Zeit des Jahres.

Nach dem Ende der “Eiszeit” kam der große Regen, sodass in der zweiten Aprilhälfte vor allem von den Wetterbeobachtern im zentralen Oberschwaben und in der Göge um Hohentengen herum beinahe so viel Niederschlag registriert wurde wie in den dreieinhalb Monaten davor insgesamt. Doch damit nicht genug. Der Regen ging bis in die Niederungen herab in Schnee über, wobei in leicht erhöhten Lagen wie auf der Atzenberger Höhe, zwischen Bad Saulgau, Aulendorf und Bad Schussenried und natürlich im Allgäu 20 bis 30 Zentimeter Schnee fielen.