Spätsommer mitten im Herbst

Statistik der Wetterwarte Süd für Oktober 2017: Bei hoher Sonnenscheindauer zu trocken und deutlich zu warm. Von Roland Roth.

Mit einem zwar recht frischen, aber herrlich schönen Sonnentag ging der Oktober zu Ende, der dieses Jahr seinem Ruf als goldener Monat über weite Strecken hinweg gerecht wurde. Dabei lag unsere Region, wie so oft in den letzten Monaten, wieder einmal in der wärmsten Ecke Deutschlands. Auch von den beiden Herbststürmen “Xavier”, am 6. und “Herwart” am 29. Oktober blieben wir weitgehend verschont.
Eingerahmt von zwei feucht-kühlen Phasen zum Monatsbeginn und Monatsende herrschte häufig sonniges und mildes Wetter. Zwischen dem 13. und dem 21. kletterten die Temperaturen verbreitet über 20 Grad. Am 16. (Montag) erreichte das Quecksilber in Tuttlingen, Maierhöfen und Rißtissen sogar nochmals die Sommermarke von 25 Grad. In Ehingen, Ebersbach, Schemmerhofen und Isny wurde sie nur ganz knapp verfehlt.

Tiefste Temperatur am 31.: – 1,7 °C (+ 0,1°C)
Höchste Temperatur am 16.: + 24,1°C (+ 20,0°C)
Durchschnittliche Monatstemperatur: + 10,0°C (+ 7,5°C)
Monatssumme des Niederschlags: 46,4 mm (48,1 mm)
Gesamtsonnenscheindauer: 139,6 Stunden (70,7 Stunden)

(Die Messwerte beziehen sich auf die Wetterzentrale in Bad Schussenried,
die Zahlen in Klammern geben die Vorjahreswerte an!)

Zu verdanken hatten wir dieses spätsommerlich anmutende Wetter “Tanja”, dem stabilsten Hoch des ganzen Jahres. Es hielt zehn Tage lang alle Regenfronten von uns fern und schaufelte zusammen mit dem Ex-Hurrikan “Ophelia”, der dann als außertropischer Sturm über Irland hinwegfegte, dort große Schäden anrichtete und Menschenleben forderte, subtropische Warmluft aus dem Mittelmeerraum nach Süddeutschland. Unterm Strich war dieser Oktober einer der sonnenscheinreichsten der letzten 50 Jahre, jedoch nicht überall. Denn es bestand des Öfteren ein ausgeprägtes Südwest-Nordostgefälle mit mehr Sonnenschein von Tuttlingen, über den Hegau und Bodensee und das südliche Oberschwaben bis ins Allgäu hinein, als von der Zwiefalter und Laichinger Alb bis rüber zur Ostalb. Zu warm war er aber allemal, im Vergleich zum 30-jährigen Mittelwert eineinhalb bis zwei Grad. Es gab allerdings auch schon deutlich wärmere Oktober, so zuletzt im Jahre 2014 und besonders 2006, 2001 und 1995.

In den meisten Regionen fiel der vergangene Monat zu trocken aus, wobei vielerorts kaum mehr als die Hälfte der sonst üblichen Regenmenge verzeichnet wurde. Lediglich in Alpennähe,im Allgäudreieck Leutkirch-Wangen-Isny sowie auf der Münsinger Alb und im Raum Blaubeuren-Schelklingen wurde das Niederschlagssoll in etwa erreicht, örtlich auch leicht überschritten. Am wenigsten Niederschlag verbuchte Uwe Rabenstein in Sigmaringendorf mit 35,4 Liter/m², am meisten Günter Bischoff auf seiner knapp 1000 Meter hohen Steinbergalm in der Adelegg mit 137,8 Liter/m².

Nun ist ein warmer und sonniger Oktober nicht selten ein Vorbote für einen insgesamt gesehen kalten Winter. Ob es so kommen wird, bleibt natürlich abzuwarten, doch es wäre mal wieder an der Zeit für einen richtigen Winter, den es selbst im Zeichen des Klimawandels weiterhin geben kann, wenn auch nicht mehr so häufig wie noch vor einigen Jahrzehnten.