Vorfrühling mitten im Hochwinter

Wärmster und niederschlagsreichster Januar seit Messbeginn. Statistik der Wetterwarte Süd für Januar 2018. Von Roland Roth.

Ein Monat der Superlative liegt hinter uns, denn so einen Januar gab es seit Beginn der Aufzeichnungen der Wetterwarte Süd vor genau 50 Jahren noch nie. Es wurden zahlreiche Wetterrekorde gebrochen und bis dato gültige Wetterregeln geradezu auf den Kopf gestellt.

Tiefste Temperatur am 15.: – 1,7°C (- 17,2°C)
Höchste Temperatur am 24.: + 11,0°C (+ 7,1°C)
Durchschnittliche Monatstemperatur: + 4,1°C (- 4,5°C)
Monatssumme des Niederschlags: 132,3 mm (50,6 mm)
Gesamtsonnenscheindauer: 35,3 Stunden (46,5 Stunden)

(Die Messwerte beziehen sich auf die Wetterzentrale in Bad Schussenried,
die Zahlen in Klammern geben die Vorjahreswerte an!)

Mit einer Durchschnittstemperatur von 4,1 Grad Celsius (30-jähriger Mittelwert: minus 1,0°C) weist der Januar zwar beinahe denselben Wert wie im Vorjahr auf, doch mit umgekehrtem Vorzeichen. Während letztes Jahr mit minus 4,5°C der kälteste Januar seit 30 Jahren verbucht wurde, geht dieser Januar als wärmster in die Jahrbücher der Meteorologie ein. Dabei wurde erstmals kein einziger Tag mit Dauerfrost, also ein so genannter Eistag registriert. Kälte war ohnehin kaum ein Thema, denn lediglich an sechs Tagen gab es leichten Frost mit maximal minus 1,7 Grad. Auch dies natürlich einmalig in der Beobachtungsreihe der Wetterwarte Süd.

Grund für diese ungewöhnlichen Temperaturen mitten im Hochwinter war der Südwest- bis Westwind, der mit den Orkantiefs “Burglind” und “Friederike” zeitweise Sturmstärke erreichte. Mit ihm gelangte überwiegend milde Luft vom Atlantik, öfters sogar vorfrühlingshaft laue Luft von den Kanaren in unsere Region. Und drehte der Wind mal auf Ost, wie in der Tagen nach Dreikönig, im Januar meist ein Garant für klirrende Kälte, dann wollte sich ebenfalls kein richtiges Winterwetter einstellen. Ein Beleg dafür, dass es selbst in Osteuropa viel zu mild war.
Völlig aus dem Rahmen fallen auch die Niederschlagsverhältnisse. Schon seit Monaten sorgen Tiefdruckgebiete für unbeständiges Wetter, doch dieser Januar ist, was die Wechselhaftigkeit anbelangt, kaum zu überbieten. Deshalb gab es nur wenig Nebel.

Während in den Alpen oberhalb von etwa 1500 Metern enorme Schneemengen fielen und mitunter eine extrem hohe Lawinengefahr herrschte, ließen die ergiebigen Regenfälle in den Niederungen, zusammen mit zeitweiliger Schneeschmelze auf den Berghöhen, die Bäche und Flüsse in der Region auf Hochwassermarken steigen, wie man sie nur alle zehn Jahre verzeichnet. Der Bodensee erreichte gar den höchsten Wasserstand in einem Januar. Dabei ist im Winter normalerweise Niedrigwasser angesagt. An der Wetterzentrale in Bad Schussenried notierten die Wetterbeobachter den niederschlagsreichsten Januar seit Beginn ihrer Messungen im Jahre 1968, ja weit darüber hinaus, denn selbst in einer bis 1904 datierten Auflistung des Forstbezirks findet sich kein ähnlich nasser Januar. Mit 126,3 Liter/m² fiel knapp das Dreifache der sonst üblichen Niederschlagsmenge. Lediglich im März 2001 wurde prozentual gesehen noch ein wenig mehr verbucht. Timo Riedel meldete aus Isny sogar beinahe 200 Liter/m².

Dass dieser Januar zudem so sonnenscheinarm und trüb war wie selten zuvor, passt in das Bild eines außergewöhnlichen Wintermonats, der wohl nicht nur den Meteorologen und Wetterkundlern noch lange mit ungläubigem Staunen in Erinnerung bleiben dürfte.