Wärmste Nacht seit Beginn der Aufzeichnungen der Wetterwarte Süd

Statistik der Wetterwarte Süd für Juni 2017: Bei hoher Sonnenscheindauer unterschiedlich nass, aber allgemein erheblich zu warm. Von Roland Roth.

Warum denn in die Ferne schweifen? Im vergangenen Monat herrschte bei uns häufig Urlaubswetter wie am Mittelmeer. Dabei lag unsere Region des Öfteren in der wärmsten Ecke Deutschlands.

Nach einem sommerlichen Start in den Juni machte sich für ein paar Tage ein Hauch von Schafskälte bemerkbar. In den Frühstunden des 08. wurde in einigen Kältelöchern, vor allem auf der Schwäbischen Alb, am Federsee sowie im Wurzacher und Pfrunger Ried sogar Bodenfrost und Reif verzeichnet. Die feucht-kühle Witterung war jedoch nur von kurzer Dauer und ab dem 10. präsentierte sich der Sommer früh in Topform. Die Temperaturen kletterten selbst auf den Alb- und Allgäuhöhen über die 30-Grad-Hitzemarke und in den Niederungen verbreitet auf 32 bis 34 Grad, in Ravensburg und Tuttlingen am 22. gar auf 35,2°C. Erst zum Monatsende hin legte der Sommer eine kleine Verschnaufpause ein.

Tiefste Temperatur am 08.: + 3,8°C (+ 7,6°C)
Höchste Temperatur am 22.: + 31,7°C (+ 33,0°C)
Durchschnittliche Monatstemperatur: + 18,9°C (+ 16,7°C)
Monatssumme des Niederschlags: 142,9 mm (203,2 mm)
Gesamtsonnenscheindauer: 266,1 Stunden (167,6 Stunden)

(Die Messwerte beziehen sich auf die Wetterzentrale in Bad Schussenried,
die Zahlen in Klammern geben die Vorjahreswerte an!)

Unterm Strich war dieser Juni zweieinhalb bis drei Grad zu warm. An der Wetterzentrale in Bad Schussenried wurde mit einer Durchschnittstemperatur von 18,9°C (30-jähriger Mittelwert: 16,1°C) der zweitwärmste Juni seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1968 verbucht, knapp vor dem Juni 2002 (18,8°C), aber deutlich hinter dem “Jahrhundert-Juni” 2003 (21,5°C).

In der Nacht vom 22. auf den 23. fiel das Quecksilber an den meisten der 63 Wetterstationen im Messnetz der Wetterwarte Süd nicht unter 20 Grad. Auf den Höhenrücken, im Bodenseehinterland sowie in der Innenstadt von Ravensburg kommen solche Tropennächte immer wieder mal vor, doch dass beinahe überall zwischen Alb und Alpen eine Tropennacht registriert wurde, ist bislang ohne Beispiel. Grund für dieses außergewöhnliche Wetterereignis war neben der einfließenden Mittelmeerluft der lebhafte Wind, der eine stärkere Abkühlung verhinderte.

Völlig uneinheitlich sind die Niederschlagsverhältnisse, denn Dürre mit erhöhter Waldbrandgefahr und sintflutartige Regenfälle mit Überschwemmungen lagen nah beieinander. In der schwül-heißen Luft bildeten sich Wärmegewitter, die ihre Regenlast sehr ungleichmäßig und nach dem Zufallsprinzip übers Land verteilten. Dabei wurden manche Orte gleich mehrfach von starken Gewitterregen getroffen. Andernorts, oft nur wenige Kilometer davon entfernt, blieb es jedoch staubtrocken. Entsprechend unterschiedlich sind auch die Regenmengen in diesem Juni. So verbuchten Sascha Müller in Aulendorf-Zollenreute 155,2 Liter/m² und Karin Cieslikowski in Mittelbiberach-Reute 157,7 Liter/m², Karl-Heinz Schweigert in Leutkirch dagegen gerade mal 64,0 Liter/m² und Rüdiger Klan in Dürnau bei Bad Buchau lediglich 59,2 Liter/m².

Geht es nach der Wetterregel, nach der sich die Witterung des Hochsommers häufig in der Zeit um den 27. Juni (Siebenschläfer) herum entscheidet, dann erwartet uns in den kommenden Wochen ein richtiger Schaukelsommer mit Hitzespitzen und drückender Schwüle, aber auch mit deutlich kühleren Wetterphasen. Vor allem beim Wechsel dieser Luftmassen ist mit teils heftigen Schauern und Gewittern zu rechnen, die örtlich durchaus Unwetterpotential haben könnten.