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Biberacher Filmfestspiele: Geschichte, Preisträger und Tickets

Wer Ende Oktober in Biberach an der Riß die Augen offen hält, bemerkt es schnell: Plakate an Schaufenstern, Filmteams in der Innenstadt, ausgebuchte Kinosäle. Jedes Jahr verwandelt sich die Kreisstadt für ein langes Wochenende in einen kleinen, feinen Treffpunkt der deutschsprachigen Filmwelt. Die Biberacher Filmfestspiele gehören zu den ältesten Filmfestivals Deutschlands – und sind dabei so geblieben, wie man es sich von einem lokalen Festival wünscht: nahbar, enthusiastisch und mit echtem Herzblut organisiert.

Von den Anfängen bis heute

Die Geschichte des Filmfestivals Biberach reicht bis ins Jahr 1979 zurück, als Adrian Kutter das Festival ins Leben rief. Was als überschaubare Veranstaltung für deutschsprachige Filmproduktionen begann, hat sich über Jahrzehnte zu einem festen Bestandteil der deutschen Festivallandschaft entwickelt. Seit 2003 trägt ein eigens gegründeter Verein – der Biberacher Filmfestspiele e. V. – die Verantwortung für Organisation und Durchführung.

Das Besondere: Das Festival hat sich nie der großen Gala-Maschinerie verschrieben. Während Cannes oder Berlin längst zur Industrie-Messe geworden sind, pflegen die Biberacher Filmfestspiele bewusst den direkten Kontakt zwischen Publikum und Filmschaffenden. Regisseure, Schauspieler und Produzenten kommen regelmäßig persönlich, diskutieren nach den Vorstellungen mit dem Publikum – und das auf Augenhöhe.

Laut dem Lexikon der Deutschen Filmfestivals auf Wikipedia liegt der Fokus seit jeher auf Produktionen aus dem deutschsprachigen Raum – also Deutschland, Österreich und der Schweiz. Das macht das Festival zu einer wichtigen Plattform für Filme, die im internationalen Festivalbetrieb oft untergehen.

Die Preise: Der Biber als Trophäe

Das Herzstück des Festivals ist natürlich die Preisverleihung. Die Auszeichnungen tragen – passend zur Region – das Tier im Namen, das auch im Wappen der Stadt eine Rolle spielt.

Goldener Biber

Der Hauptpreis, mit 8.000 Euro dotiert, geht an den besten Spielfilm des Wettbewerbs. Er ist die begehrteste Auszeichnung des Festivals und hat im Laufe der Jahre Produktionen ausgezeichnet, die später auch überregional Beachtung fanden.

Doku-Biber und Debüt-Biber

Jeweils mit 3.000 Euro dotiert werden der beste Dokumentarfilm und der beste Debütfilm. Letzterer ist besonders für Nachwuchsregisseure bedeutsam – Biberach gilt in Filmkreisen als guter Ort, um ein erstes Werk einem größeren Publikum vorzustellen.

Kurzfilm-Biber und Publikumsbiber

Mit je 2.000 Euro werden außerdem der beste Kurzfilm und ein Publikumspreis vergeben. Der Publikumsbiber ist dabei das demokratischste Element des Festivals: Hier entscheiden allein die Zuschauer vor Ort.

Preisträger 2025

Bei den 47. Biberacher Filmfestspielen im November 2025 wurden folgende Produktionen ausgezeichnet:

  • Goldener Biber: Mother's Baby – Regie: Johanna Moder
  • Doku-Biber: Born to fake – Regie: Erec Brehmer und Benjamin Rost
  • Debüt-Biber: Ungeduld des Herzens – Regie: Lauro Cress
  • Kurzfilm-Biber: Spiegelberg, ein deutsches Dorf – Regie: Adrian Sagolla

Was das Festival so besonders macht

Es gibt Festivals, bei denen man sich als normaler Kinogänger deplatziert fühlt – umgeben von Akkreditierungsträgern, PR-Menschen und Branchenkennern. Biberach ist anders. Das Publikum kommt aus der Region, aus dem Landkreis, von weiter weg – und alle sitzen gemeinsam im selben Kinosaal. Das Cineplex Biberach in der Waldseer Straße ist der zentrale Spielort, gut erreichbar, ohne Glamour-Schnickschnack.

Die MFG Filmförderung Baden-Württemberg, die das Festival unterstützt, betont immer wieder die Bedeutung solcher regionaler Plattformen für die Filmförderung im Land. Für Baden-Württemberg ist Biberach ein kulturelles Aushängeschild.

Tickets und praktische Infos für Besucher

Das Filmfestival Biberach findet traditionell am ersten Novemberwochenende statt – wer also plant, sollte den Kalender entsprechend blocken.

Tickets sind direkt über das Cineplex Biberach erhältlich, sowohl an der Kasse als auch online. Der Vorverkauf startet in der Regel Ende Oktober. Mitglieder des Fördervereins profitieren von einem früheren Zugang – für Stammgäste lohnt sich eine Mitgliedschaft also durchaus.

Auf der offiziellen Website der Biberacher Filmfestspiele wird das vollständige Programm wenige Wochen vor dem Festival veröffentlicht. Dort finden sich auch Informationen zu Sonderveranstaltungen, Publikumsgesprächen und dem Rahmenprogramm.

Anfahrt: Biberach an der Riß liegt verkehrsgünstig zwischen Ulm und Ravensburg und ist per Bahn sowie über die B 30 gut erreichbar. Parkplätze rund um das Cineplex sind vorhanden, in den Abendstunden meist unproblematisch.

Ein Festival, das Biberach prägt

Für viele Biberacher gehört das Festival schlicht dazu – wie der Marktplatz, der Wielandplatz oder die Schützenfest-Tradition. Es ist kein Glamour-Event, das die Stadt für eine Woche auf Hochglanz poliert. Es ist ein Filmfestival, das wirklich in der Stadt verwurzelt ist, von Ehrenamtlichen mitgetragen wird und seit fast fünf Jahrzehnten verlässlich gutes Kino ins Biberacher Herbst bringt.

Wer noch nie dabei war: Es lohnt sich. Und wer regelmäßig kommt, weiß das längst.